Jedes Kind lernt anders: individuell statt Schema F

"Mein Kind ist eher der visuelle Typ" oder "er muss es hören, dann merkt er es sich" hören wir von Eltern in Kärnten häufig. Die Vorstellung, dass jedes Kind einen festen Lerntyp hat, visuell, auditiv oder kinästhetisch, ist weit verbreitet und klingt einleuchtend. Nur zeigt die Lernforschung inzwischen recht deutlich, dass sich Lernerfolg kaum steigern lässt, wenn man Unterricht strikt nach einem solchen Typ ausrichtet. Das bedeutet aber nicht, dass alle Kinder gleich lernen, im Gegenteil. Die Unterschiede liegen nur woanders, als die klassische Lerntypen-Idee vermuten lässt.
Warum die Lerntyp-Idee zu kurz greift
Die Aufteilung in feste Lerntypen ist vor allem deshalb attraktiv, weil sie einfach ist: ein Etikett, eine passende Methode, fertig. In der Praxis lernen aber die meisten Kinder am besten, wenn Inhalte über mehrere Kanäle gleichzeitig ankommen, unabhängig davon, was sie selbst als ihre Stärke empfinden. Ein Kind, das sich für einen "visuellen Lerner" hält, profitiert trotzdem davon, einen Sachverhalt laut zu erklären oder aktiv zu üben. Die Vorstellung eines einzigen richtigen Kanals pro Kind hält der Forschung schlicht nicht stand.
Worin sich Kinder tatsächlich unterscheiden
Was Kinder beim Lernen wirklich unterschiedlich macht, sind andere Faktoren:
- Vorwissen: wie viel in einem Fach bereits vorhanden ist.
- Umgang mit Abstraktion: ob ein Kind abstrakte Konzepte direkt versteht oder zuerst konkrete Beispiele braucht.
- Selbsteinschätzung: wie gut ein Kind schon erkennt, was es kann und was noch nicht.
- Struktur und Motivation: wie viel Unterstützung von außen nötig ist, um dranzubleiben.
Zwei Kinder in derselben Klasse mit demselben Stoff können ganz unterschiedliche Unterstützung brauchen, nicht weil sie unterschiedliche Lerntypen sind, sondern weil sie an unterschiedlichen Punkten stehen.
Wie individuelle Förderung bei Mindlink aussieht
Statt Kindern ein Etikett zu geben und danach den Unterricht auszurichten, beobachten unsere Tutorinnen und Tutoren von Beginn an, wo ein Kind steht und was es konkret braucht:
- Konkrete Beispiele zuerst: manchen Kindern hilft es enorm, einen abstrakten Zusammenhang zunächst an einem greifbaren Beispiel aus dem Alltag festzumachen, bevor die allgemeine Regel folgt.
- Aktives Erklären und Anwenden: andere brauchen vor allem mehr Gelegenheit, Gelerntes selbst zu erklären oder anzuwenden, statt es nur vorgeführt zu bekommen.
- Bewusstes Mischen von Themen: wieder andere profitieren davon, Themen bewusst zu wechseln statt immer nur ein Kapitel isoliert zu üben, weil sie dadurch besser erkennen, wann welche Methode passt.
Aus dem Methodenkasten, den wir bereits in unserem Artikel über Lernmethoden vorgestellt haben, wählen unsere Tutorinnen und Tutoren deshalb bewusst aus, was zum jeweiligen Kind und zur jeweiligen Situation passt, statt starr ein einziges Schema durchzuziehen.
Wie wir herausfinden, was ein Kind braucht
Diese Einschätzung entsteht nicht aus einem einmaligen Test, sondern aus der laufenden Zusammenarbeit. In den ersten gemeinsamen Stunden achten unsere Tutorinnen und Tutoren gezielt darauf, an welcher Stelle ein Kind stockt, welche Erklärungsweise sofort sitzt und welche eher verwirrt, und wie selbstständig es bereits einschätzen kann, was es schon beherrscht. Auch das Gespräch mit den Eltern spielt eine Rolle, etwa wenn es um bisherige Erfahrungen in der Schule oder um Themen geht, bei denen sich Schwierigkeiten schon länger wiederholen. Aus diesen Beobachtungen ergibt sich mit der Zeit ein klareres Bild, das sich auch wieder ändern darf, wenn sich das Kind weiterentwickelt oder ein neues Fachgebiet dazukommt.
Wichtig ist uns dabei, dass diese Anpassung nicht einmalig passiert und dann feststeht, sondern Teil jeder einzelnen Stunde bleibt. Ein Kind, das in Bruchrechnung noch viel Übung an konkreten Beispielen braucht, kann in der Textinterpretation in Deutsch bereits sehr selbstständig arbeiten, und genau darauf stellt sich der Unterricht fachspezifisch ein.
Ein Beispiel aus dem Alltag
Zwei Kinder sitzen an derselben Textaufgabe in Mathematik, die Ursache ihrer Schwierigkeiten ist aber jeweils eine andere:
- Kind A hat Mühe, weil ihm der fachliche Baustein fehlt. Hier hilft eine klare Erklärung und gezielte Übung.
- Kind B versteht die Rechnung eigentlich, scheitert aber daran, die Aufgabenstellung richtig zu erfassen. Hier bringt eine andere Herangehensweise deutlich mehr als noch mehr Rechenübungen.
Von außen sieht beides wie "Schwierigkeiten in Mathe" aus, die passende Unterstützung ist aber jeweils eine andere.
Warum das mehr bringt als die Suche nach dem "richtigen" Lernstil
Die gute Nachricht für Eltern ist, dass man dafür keinen Lerntyp bestimmen muss. Wichtiger ist eine Tutorin oder ein Tutor, die oder der genau hinschaut, nachfragt und die Methode an das Kind anpasst, statt umgekehrt. Das erfordert etwas mehr Aufmerksamkeit als ein festes Schema, zahlt sich aber darin aus, dass Kinder tatsächlich dort abgeholt werden, wo sie gerade stehen. Langfristig profitieren Kinder davon mehr als von jedem Etikett, weil sich ihre Bedürfnisse ohnehin mit jedem Schuljahr und jedem neuen Thema wieder verändern.
Wenn Sie wissen möchten, wie individuelle Förderung für Ihr Kind konkret aussehen könnte, finden Sie auf unserer Angebotsseite einen Überblick über unsere Nachhilfe- und Lerncoaching-Formate in Villach und Klagenfurt.