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    Handy und Tablet in der Schule: Ab wann sie wirklich sinnvoll sind

    Matteo Paumgarten8. September 20264 Min. Lesezeit
    Handy und Tablet in der Schule: Ab wann sie wirklich sinnvoll sind

    Viele Eltern in Kärnten stellen sich früher oder später dieselbe Frage: Wie viel Bildschirmzeit ist für das eigene Kind eigentlich gut, und ab welchem Alter macht ein eigenes Handy oder Tablet überhaupt Sinn? Die Antwort fällt im Alltag oft nach Gefühl, während sich in der Forschung inzwischen ein deutlich klareres Bild zeigt, als viele erwarten würden.

    Schweden als Vorbild, und jetzt als Warnung

    Schweden galt jahrelang als Vorzeigeland für digitale Bildung, kaum ein anderes Land hatte seine Schulen so konsequent digitalisiert. 2023 hat Schweden die eigene Digitalisierungsstrategie gestoppt, gestützt auf eine Stellungnahme des renommierten Karolinska Instituts. Der zentrale Satz darin lautet, es gebe "eindeutige wissenschaftliche Belege dafür, dass digitale Werkzeuge das Lernen der Schüler eher beeinträchtigen als verbessern". Verfasst haben diese Einschätzung fünf Professorinnen und Professoren aus den Bereichen Entwicklungspsychologie, kognitive Neurowissenschaften und Neonatologie, also keine Randmeinung, sondern eine fachlich fundierte Stellungnahme einer der bedeutendsten Universitäten Nordeuropas.

    Was die IGLU Studie 2021 damit zu tun hat

    Auslöser für das Umdenken war unter anderem ein konkretes Ergebnis. Bei der internationalen IGLU Studie 2021 sackten schwedische Viertklässler in der Lesekompetenz im Vergleich zu 2016 um zwölf Punkte ab. Auf die Pandemie lässt sich das kaum schieben, Schwedens Schulen waren während Corona insgesamt nur 33 Tage geschlossen, deutlich kürzer als in den meisten anderen Ländern. Schweden investiert seither wieder verstärkt in gedruckte Schulbücher, statt sich weiter auf digitale Endgeräte zu verlassen.

    Wie sich Bildschirmzeit auf die Konzentration auswirkt

    Auch abseits von Schweden gibt es dazu inzwischen umfangreiche Forschung. Eine Auswertung von 33 Neuroimaging Studien mit über 30.000 Kindern unter 12 Jahren zeigt, dass Bildschirmzeit mit Veränderungen im präfrontalen Kortex einhergeht, also genau jener Hirnregion, die für Arbeitsgedächtnis, Impulskontrolle und die Fähigkeit zuständig ist, sich flexibel auf neue Situationen einzustellen. Für den Alltag heißt das oft: Ein Kind, das viel Zeit am Bildschirm verbringt, tut sich schwerer damit, sich über längere Zeit auf eine einzige Aufgabe zu konzentrieren, etwa bei Hausübungen oder beim Lernen für eine Schularbeit.

    Ab welchem Alter digitale Geräte sinnvoll sind

    Nimmt man diese Forschung ernst, ergibt sich daraus eine klare, wenn auch unbequeme Linie: kein eigenes Handy vor 14 Jahren, und in der Schule keine eigenen Tablets oder Laptops vor der Oberstufe. Das deckt sich im Kern mit der Forderung des Karolinska Instituts, den Schwerpunkt wieder stärker auf gedruckte Schulbücher und das Fachwissen der Lehrkraft zu legen, statt Wissen vor allem aus frei zugänglichen digitalen Quellen zu beziehen, die nicht auf ihre Richtigkeit geprüft sind. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt aus einer ganz anderen Richtung der US Psychologe Jonathan Haidt, der in seinem Buch "The Anxious Generation" kein Smartphone vor der High School, also etwa ab 14, und keine Social Media Nutzung vor 16 empfiehlt.

    Das heißt nicht, dass digitale Geräte in der Schule grundsätzlich nichts verloren haben. Auch das Karolinska Institut lehnt digitale Kompetenz nicht ab, es geht vor allem um den richtigen Zeitpunkt und die richtige Art der Vermittlung.

    Was das für Familien in Kärnten bedeutet

    Für Familien in Villach und Klagenfurt lässt sich daraus eine praktische Haltung ableiten:

    • Geduld beim eigenen Handy: Je später das erste eigene Smartphone kommt, desto mehr Zeit bleibt, um Konzentration und Impulskontrolle ohne ständige Ablenkung zu entwickeln.
    • Kritischer Blick auf Tablets im Unterricht: Nicht jede Digitalisierung im Klassenzimmer ist automatisch ein Fortschritt. Gerade in der Volksschule und Unterstufe lohnt sich ein genauerer Blick, wofür die Geräte tatsächlich eingesetzt werden.
    • Gedruckte Bücher nicht unterschätzen: Schulbücher und gedruckte Unterlagen fördern nachweislich ein tieferes Verständnis als das reine Zusammensuchen von Informationen im Internet.

    Warum das auch für die Nachhilfe eine Rolle spielt

    Bei Mindlink sehen wir in der Praxis häufig, wie stark sich Konzentrationsfähigkeit auf den Lernerfolg auswirkt. Ein großer Teil dessen, was in einer Nachhilfestunde tatsächlich passiert, ist gar nicht neuer Lernstoff, sondern verlorene Konzentration wiederherzustellen, die im Alltag zwischen Handy, Social Media und ständigen Benachrichtigungen verloren geht. Genau deshalb setzen unsere Tutorinnen und Tutoren in den Einheiten selbst bewusst auf direkten menschlichen Kontakt statt auf reine App Lösungen, und arbeiten mit Kindern gezielt daran, sich wieder über längere Zeit auf eine Aufgabe einzulassen.

    Fazit

    Schweden war die Blaupause für digitale Bildung in Europa und ist jetzt auch das erste Land, das diesen Kurs mit wissenschaftlicher Rückendeckung wieder zurückgedreht hat. Für Eltern in Kärnten ist das ein guter Anlass, die eigene Haltung zu Handy und Tablet noch einmal zu überdenken, nicht aus Prinzip gegen digitale Geräte, sondern mit einem klaren Blick darauf, was der Forschung nach für die Entwicklung der eigenen Kinder tatsächlich hilft.

    Wer sein Kind dabei unterstützen möchte, Konzentration und Lernstrategien unabhängig vom Bildschirm aufzubauen, findet auf unserer Angebotsseite einen Überblick über unsere Nachhilfe und Lerncoaching Formate in Villach und Klagenfurt.

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